Bergmeister und Larasser möchten aber mehr, als diese Schätze bewahren. Sie möchten in die Öffentlichkeit hineinwirken, damit in unserer Gesellschaft das Verständnis für den Symbolgehalt und die Gestaltung von Grabzeichen wächst. Denn beide wollen sich nicht abfinden mit den heute vorherrschenden entseelten und ihrer eigentlichen Bedeutung beraubten Grabsteinen, die heute leider viele unserer Friedhöfe kennzeichnen.
Raum für das neue Museum wurde geschaffen, als die Bergmeister Kunstschmiede neue Werkstatträume nahe Ebersberg bezog, und die alte Schmiedewerkstatt somit einer neuen Nutzung offen stand. In klarer, sachlicher Präsentation haben hier nun die Grabkreuze quasi am Entstehungsort einer ehemaligen Kunstschmiede Aufstellung bezogen.
Die Präsentation ist chronologische angeordnet, beginnt also mit den ältesten Beispielen aus der Zeit der frühen Renaissance im 16. Jahrhundert. Typisch für die Grabkreuze dieser Epoche sind einfache, klare Spiralformen mit der traditionellen Durchstecktechnik, bei der ein Eisenstab gelocht und der zweite hindurch gesteckt wird. Oft enden die Spiralen in grotesken Tier- und Menschenköpfen, Sinnbilder für die von Dämonen beseelte Welt der Lebenden und Toten.
Daran schließen sich die barocken Kreuze mit Bekrönungen des Auferstandenen an, oft flankiert von Engeln, mit Namens- und Arme-Seelen Tafeln. Ursprünglich waren die meisten dieser Kreuze mehrfarbig gestaltet. Im Laufe der Zeit wurden sie jedoch erneuert oder verändert, und schließlich - auch unter puristischen Vorzeichen - überstrichen. Im Ergebnis ist die Mehrzahl der Kreuze daher heute monochrom schwarz, was zu scherenschnittartigen Konturen führt, die für den Betrachter optisch sehr reizvoll sind. Die Reihe der ausgestellten Kreuze endet mit handwerklich hervorragenden Beispielen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Natürlich fehlen nicht die zeitgemäßen Kreuze aus der Kunstschmiede Bergmeister, die ja nicht nur Kreuze nach historischem Vorbild fertigt, sondern mit modernen, geistreichen Kreationen viel beachtete Akzente auf zahlreichen bayerischen Friedhöfen setzt.
Um die vielen Feinheiten und kaum mehr bewussten symbolischen Bezüge zu erkennen, braucht es kompetente Erläuterungen, die den an gemeldeten Schulklassen und Gruppen gern von Manfred Bergmeister, German Larasser und deren Mitarbeiter gewährt werden. Dadurch ist gewährleistet, dass den Besuchern dieses einzigartigen Museums in Deutschland anschaulich auch die formalen, technischen und inhaltlichen Informationen vermittelt werden. |